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BDP
BDP - Bundesverband Deutscher Pathologen e.V.

Profunde Unkenntnis des G-BA zum Thema Pathologie


Berlin, 14.11.2012
Offener Brief an Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Hecken,

in Ihrem Interview gegenüber der Ärztezeitung am 12.11.2012 machen Sie Aussagen, die den Verdacht erwecken, sie hätten keinen Einblick in ein Fachgebiet, das sie dennoch der „starken“ Deckelung der Bedarfsplanung unterziehen wollen. Sie wollen, so die ÄrzteZeitung, die „patientenfernen Facharztrichtungen“ wie Pathologie „relativ stark deckeln“. Zur Begründung heißt es von Ihnen „Es muss nicht in jedem KV-Bezirk mehrere Pathologen … geben, da die Proben ohnehin verschickt werden“.

Die Pathologie ist ein notwendig örtlich gebundenes Fach in engem Kontakt zu ihren Kollegen anderer Fachrichtungen, insbesondere in der Tumormedizin:

- Die diagnostische Sofortverfügbarkeit bei Schnellschnitten, in denen intraoperativ die Dignität des Gewebes oder die sichere Entfernung des Tumors vom gesunden Gewebe beurteilt wird, erfordert eine Aussage innerhalb von 20 Minuten. In der Regel werden Schnellschnitte sogar mit Blaulicht gefahren. Hier kann gar nichts „verschickt“ werden.
- Die Konferenzen z.B. des Mammographie-Screening-Programms zur regelmäßigen Fallbesprechung und Abstimmung bei Tumorpatientinnen erfordern die persönliche Anwesenheit beim interdisziplinären Gespräch. Auch hier kann nichts „verschickt“ werden. Die enge interdisziplinäre Abstimmung ist ein Grund für die fast verzehnfachte Treffsicherheit des Screenings nach nur wenigen Jahren Laufzeit. Der Pathologe vor Ort ist für die Qualität der Medizin mit verantwortlich.
- Eine ebenso zentrale Bedeutung hat Mitwirkung der Pathologie bei den flächendeckend etablierten Organkrebszentren. Die Pathologie ist ein konstantes Kernfach mit persönlicher Präsenz in den zwingend vorgeschriebenen Tumorkonferenzen.
- Die Pathologie ist Garant für die Wirksamkeit des Nationalen Krebsplans, sowohl in der Prävention als auch in der soeben beschriebenen Tumormedizin.

Ihre Äußerungen als Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses, insbesondere über die angebliche Patientenferne der Pathologen, lassen eine so große Distanz zu dem Fachgebiet Pathologie und seinen Aufgaben und Notwendigkeiten erkennen, dass wir das Ihnen bereits angebotene Informationsgespräch für dringend notwendig halten.

Die geplante Deckelung eines Fachgebietes, auf dessen höchstpersönlich erbrachten Diagnosen alle anderen Fachgebiete in der Therapie angewiesen sind, auf dem derzeitigen Niveau des Pathologenmangels wird allen ÄrztInnen Schaden zufügen. Die Ausnahme von der Bedarfsplanung ist geboten. Wir müssen erwarten, dass Sie die Erfordernisse des Fachgebiets Pathologie genauso ernsthaft analysieren, wie Sie es bei anderen Fachgruppen offensichtlich getan haben

Mit freundlichen Grüßen
Prof. Dr. med. Werner Schlake
Präsident des Bundesverbandes Deutscher Pathologen e.V.

Pressemitteilung im Anhang.
Presseecho von Facharzt.de ebenfalls.



Kontakt

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Prof. Dr. Werner Schlake, Präsident (V.i.S.d.P.)



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